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Ich muss das mal kurz weglegen...

Vor einer ganzen Weile habe ich dieses Buch gelesen und mich auch auf Instagram hierzu geäußert. Interessanterweise hab ich mich von dem Buch gleichermaßen angezogen und abgestoßen gefühlt. Direkt vorweg: "Mörderinnen" ist nicht ohne, denn dem Leser werden reale Mordfälle geschildert.

Das Buch ist von dem ehemaligen Strafverteidiger Veikko Bartel geschrieben und stellt vier Fälle vor, in denen ausschließlich Frauen töten. Die Taten, Motive und Täterinnnen sind durchweg sehr unterschiedlich und ähneln sich schließlich nur in ihrem Ergebnis, dem Mord.

Meine Meinung: Es fiel mir während und nach dem Lesen sehr schwer, mich in Bezug auf das Buch zu positionieren, da die Tatsache, dass es um echte Verbrechen und echte Opfer geht, mir ziemlichen Respekt einflößt und mich auch immer wieder dazu veranlasst hat, das Buch wegzulegen. Aber kaum hatte ich es eine Weile nicht in der Hand gehabt, musste ich auch schon weiter lesen. Ich war beim Lesen sehr aufgewühlt und durchlebte verschiedenste Emotionen. Was mir hierbei jedoch sehr geholfen hat, war der sachliche Ton, mit dem Bartel die Fälle schildert. Trotzdem möchte ich hier nichts verharmlosen. Man bekommt es hier unter anderem mit einer Kindsmörderin und einer mordenden Ehefrau zu tun. Es wird durchaus detailliert geschildert, was passierte. Durch die Gespräche mit seinen Mandantinnen kann Bartel auch Einblicke in deren Gedanken während der Tat sowie deren Biographie liefern. So fügen sich vier traurige, erschreckende, gruselige und grausame Geschichten zusammen.
An dieser Stelle könnte man sich wahrscheinlich fragen: Warum sollte ich dieses grausame und verstörende Buch lesen? Darauf habe ich tatsächlich eine Antwort. Dass Töten schlecht und schrecklich ist, darüber sind wir uns alle einig. Wir sind uns sogar so einig, dass man sich mit diesem Tabuthema nicht beschäftigen möchte. In fiktionalen Geschichten vielleicht noch, aber nicht in der richtigen Welt. Beginnt man aber, dieses Buch zu lesen, dann kommt man nicht umhin, sich mit diesem Thema beschäftigen. Und mich selber dabei zu beobachten, wie ich auf einzelne Passagen reagiere, wie ich Dinge moralisch bewerte und die vielen Gespräche und Diskussionen während des Lesens mit meinem Umfeld - das war wirklich interessant und ich würde es nicht missen wollen. Ich halte es für wichtig, sich auch mal mit unangenehmen Themen auseinanderzusetzen, denn sie sind Teil der Realität.

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