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Ungreifbar, vielschichtig, besonders


Bei kaum einem anderen Buch wusste ich weniger, wie ich es beschreiben soll, wie ich in wenigen Sätzen vermitteln kann, was es aussagt. Trotzdem möchte ich den Versuch wagen, etwas Ungreifbares (meiner Meinung nach) zu greifen.

Also, worum geht's? Ein deutsches Dorf am Fuße eines Berges gerät in eine Krise. Nachdem dieser lange Zeit für Arbeit und vor allem Identität sorgte, steht das Bergwerk still. Das resultiert vor allem aus dem Artikel eines Journalisten, der feststellt, dass der Berg einsturzgefährdet ist und das Dorf unter sich begraben könnte. Ein Großteil der Anwohner verlässt das Dorf. Nur ein Bruchteil der Bevölkerung möchte das sinkende Schiff nicht verlassen.
Armut, Einsamkeit und Monotonie bestimmen fortan den Alltag der Menschen, bis eines Tages der allseits bekannte Martin verunglückt und Regionalmanager Merih im Dorf auftaucht. Dieser hat den Auftrag, auch die letzten Anwohner umzusiedeln. Aber bevor er das tun kann, muss er Teil der Gemeinschaft werden... Es kommt ein Stein ins Rollen.

Die Art, wie Marie Gamillscheg schreibt, ist wirklich herausragend. Viele Stellen habe ich zweimal, dreimal gelesen, weil sie mehrere Bedeutungen auf einmal haben können und weil sie sich immer wieder mühelos auf das Leben als Ganzes übertragen lassen. Oder einfach, weil sie besonders schön waren. Gamillscheg beschreibt nicht ausufernd, sondern lässt vieles offen. Immer wieder muss man sich auf die Eindrücke, Meinungen und Gedanken der Charaktere verlassen, um eine Situation einschätzen zu können.
Die Charaktere jedoch sind alles andere als zuverlässig - jeder einzelne hat, umgangsprachlich gesagt, einen ziemlichen Knacks weg. Vielleicht macht das das Buch als Ganzes betrachtet aber auch realistisch.
Weil man den Charakteren nicht trauen kann, sie kaum offen Gefühle und Zuneigung zeigen und jeder seine eigenen Ziele verfolgt, gab es für mich keine Figur, mit der ich mitgefiebert habe. Es war vielmehr so, als befände sich das Dorf unter einer Glaskuppel und ich würde mit einer gewissen Lethargie das Geschehen von oben mitverfolgen.
Das soll nicht heißen, dass ich das Buch schlecht fand. Es war etwas komplett anderes als das, was ich für gewöhnlich lese und gerade das habe ich genossen. Alles was glänzt braucht einen zweiten und dritten Blick, bis sich seine volle Wirkung entfaltet. Es ist sicherlich Geschmackssache, ob einem dieses Buch gefällt oder nicht.
Noch einmal möchte ich mich herzlich beim Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar bedanken. Die Bereitstellung des Buches hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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