Tja. Tatsächlich war der erste Teil ziemlich schonend. Es wird abwechselnd aus Agathas und aus Meghans Perspektive erzählt. Beide leben in London und können unterschiedlicher kaum sein. Agatha kommt aus einer zerrütteten Familie, ist alleinstehend und hält sich mit einem Supermarktjob über Wasser. Meghan ist verheiratet, wohlhabend und Mutter zweier Kinder. An Agathas Arbeitsplatz treffen die Beiden regelmäßig aufeinander, was aber nur eine von ihnen wirklich registriert. Robotham zeichnet hier ein sehr realistisches Bild: Agatha hält Meghans Leben für perfekt, was es nach außen hin auch ist. Sieht man das ganze aus Meghans Perspektive, ist es das mit seinen alltäglichen Streits, Enttäuschungen und Zweifeln nicht mehr. Der Schein trügt. Wessen Leben ist schon perfekt? Doch Agatha ist wie gebannt von der Anderen und deren Familie.
Zwei Dinge haben beide Frauen gemeinsam: sie sind im selben Alter und sie sind beide hochschwanger. Doch das hindert Agatha nicht, der anderen Frau wie gewohnt nach Hause zu folgen und sie zu beobachten. Sie möchte ihr näher kommen, sie möchte das, was sie hat...
Irgendwie ist Robotham meinem Wunsch in gewisser Weise nachgekommen. Das Buch ist spannend, keine Frage, es passieren Dinge, die einem die Haare zu Berge stehen lassen sollten. Aber das tun sie nicht. Denn wir als Leser waren dabei, wie die Entscheidung gefällt wurde, wir verstehen warum so gehandelt wird und wir fiebern teilweise sogar mit, dass alles glatt geht. Wir sind hin und her gerissen zwischen Agatha und Meghan. Robotham gelingt es, die Grenze zwischen richtig und falsch zu verwischen. Und so kommt der "Horror" eher schleichend. Abschließend weiß ich gar nicht, ob ich Glück hatte, weil kein Gemetzel und Abschlachten in dem Buch enthalten war, oder ob ich Pech hatte, weil ich konstant angespannt war und tatsächlich mit einem "Täter" sympathisiert habe.
Ob ich jetzt anfangen werde, mehr Thriller zu lesen, weiß ich noch nicht. Aber Die Rivalin hat mir gut gefallen, es hat wirklich zum nachdenken angeregt und war doch wie befürchtet ein wenig verstörend.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen